Inhaltswarnung
In diesem Text werden zutiefst antisemitische, rassistische und homofeindliche Begriffe und gewaltverherrlichende Ausdrücke zitiert, sowie rechtsterroristische und (neo-)nazistische Gruppen benannt.
Wenige Wochen nachdem der AfD-Kreisvorsitzende Andreas Iloff das Reposten antisemitischer Videos durch seinen Bürgermeisterkandidaten Dennis Lier rechtfertigen musste, bringt eine weitere Personalie des AfD-Kreisverbandes Diepholz ebendiesen in Erklärungsnot: Der Kreistags- und Bassumer Stadtratskandidat Uwe Mühlenhardt lebt nach Informationen des Bündnisses „Wir sind mehr!“ öffentlich seine Vorliebe für Rechtsrock aus und verbreitet nicht nur Bands mit neonazistischen und menschenverachtenden Inhalten, sondern unterstützte offenbar auch mindestens eine vor Ort.*
Konzert der Rechtsrock-Band „Kategorie C“
Mühlenhardt besuchte im Oktober 2023 offenbar ein illegales Neonazi-Konzert der Rechtsrock-Band „Kategorie C“ in Schüttorf. Auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite gab Mühlenhardt damals selbst an, an der Veranstaltung teilgenommen zu haben.* Als Fan der bereits mehrfach mit Auftrittsverboten belegten Band, deren Mitglieder seit Jahrzehnten der Neonazi-Szene zugeordnet werden können, outete sich Mühlenhardt bereits vielfach: Allein sein Facebook-Profil säumen zahlreiche Posts, die „Kategorie C“ und deren einschlägig bekannten Sänger Hannes Ostendorf glorifizieren.* Dabei versah Mühlenhardt seine Posts auch bisweilen mit schwarz-weiß-roten Emojis, die an die Flagge des Deutschen Reiches erinnern.*
Neonazi-Band „Die Härte“
Noch weitaus erschreckender erscheint ein aktueller Post von Ende Mai 2026: Mühlenhardt zeigt dabei Begeisterung für ein ganz bestimmtes Album, teilt einen Song daraus und vollendet seine Bewertung mit zwei Herzen.* Es handelt sich um ein Album der Neonazi-Band „Die Härte“, die im Sinne ihrer Zielgruppe Radiohits mit nationalsozialistischen Texten coverte. Auf dem von Mühlenhardt goutierten Tonträger finden sich Songtitel wie „Am Tag als Ignatz Bubis starb“. Im Text dieses Liedes lautet es unter anderem:
„Am Tag als Ignatz Bubis starb / und alle Juden heulten
Am Tag als Ignatz Bubis starb / und alle Gläser klingen
das wird ein schöner Tag / Wir pissen auf sein Judengrab“„Rabbi traf ich im Supermarkt / ich wollt wie immer freundlich sein
Also fragte ich ganz laut / Wie kommen hier Hakennasen rein?
Hey, Schrumpfkopf, ich rede mit dir / ich kann nicht den Stern an deiner Jacke sehen“„Bös gesagt, hör gut zu, dein Todeslied könnte dies sein
Ja, irgendwann ist der Schuss im Ziel / wir kühlen schon die Flasche Wein
die Warnung ist unser Ernst / deine Judenhaut überreif“
Im Intro des Songs heißt es zudem unzweideutig: „Eines Tages werden wir die ganzen dreckigen Nigger und Juden töten. Und dann wird alles sauber sein“. Ignatz Bubis war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Liedes der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland und aus diesem Grunde verhasst bei Neonazis, die ihm konkrete Morddrohungen widmeten.
Aber auch der Song „Hurra ein Nigger brennt“ findet sich auf dem Album, in dem es heißt:
„Es wird dunkel, es wird wieder mal Zeit / es versammelt sich der Ku-Klux-Clan
Die Kanister sind voll / kleine Nigger dabei“, „Und jetzt brennt die Sau“.
Auf einem späteren Re-Release des Albums ist der Hinweis „Diese Musik ist nur für Weiße!“ vermerkt, dazu ein Foto des rassistischen KKK mit brennendem Kreuz. Der von Mühlenhardt direkt geteilte Song enthält derweil die Zeile „Meine Gesinnung rechtsextrem – für was soll ich mich denn nur schämen?“*
Rechtsrockgruppen 08/15 & Absurd
Es handelt sich bei Mühlenhardts öffentlich zur Schau gestellter Leidenschaft für diese Interpreten jedoch keineswegs um einen bedauerlichen Ausrutscher: Mit dem „OK“-Handzeichen, das in der rechten Szene für den rassistischen Slogan „White Power“ steht, teilte Mühlenhardt Mitte Juni 2026 einen Song der Rechtsrockgruppe „08/15“, die auf einem Album-Cover sowohl SS-Runen als auch den bekannten SS-Totenkopf, das Uniformabzeichen der KZ-Wachverbände, abbildete.* Zudem teilte Mühlenhardt einen Song der für „National Socialist Black Metal“ bekannten Gruppe „Absurd“, die seit einem durch die Bandmitglieder begangenen Mord in der Neonazi-Szene Kultstatus besitzt. Auch der von Mühlenhardt geteilte Song der Band beinhaltet indirekte Verweise auf Nationalsozialismus und SS.*
Weitere neonazistische Bands
Weiter teilte er mehrfach die aus der neonazistischen Hammerskins-Szene stammende Rechtsrock-Band Frontalkraft, betonte dabei, wie aktuell mancher Liedtext heute sei und teilte dazu ein Video, dessen Thumbnail die Fotoaufnahme eines Neonazi-Aufmarsches ziert.* Doch auch die Neonazi-Band „The Hoizers“ scheint es Mühlenhardt angetan zu haben. Seine Bewertungen: „Klasse Album , lohnen sich alle Lieder“, einen Song nennt er „Großartig“, einen weiteren „Einfach nur gut“. „Flieg Adler, flieg!“ steht auf dem Cover, dazu der Reichsadler – bloß das Hakenkreuz fehlt. Mühlenhardt ergänzte um schwarz-weiß-rote Emojis und „OK“-Zeichen bzw. „White Power“-Geste.*
Auch einen Song der aus der gewaltbereiten Neonazi-Szene stammenden Rechtsrock-Band „Amok“ teilte Mühlenhardt mit der Botschaft „Bis zum letzten Tropfen“ und schwarz-weiß-roten Herzen. Der geteilte Song enthält Zeilen wie „Wir spielen nicht für Schwule und Lesben – das wäre widerlich“.* Die Band ist seit vielen Jahren bekannt für rassistische und antisemitische Texte.
Von der ebenfalls neonazistischen Band „Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten“, auf deren Alben etwa die Morde der rechtsextremen Terroristen vom NSU gefeiert werden, teilte Mühlenhardt einen Song mit dem Aussteiger aus der Neonazi-Szene verhöhnt werden.* Ein Hinweis darauf, dass sich das möglicherweise baldige Ratsmitglied Mühlenhardt dieser Szene möglicherweise noch emotional zugehörig fühlt?
Mitwissen anderer Mitglieder der AfD-Diepholz?
Es stellt sich die Frage, ob seine Mitdemonstranten der wöchentlichen AfD-Demonstration in Bassum, sowie die dort mitlaufenden Parteikollegen der AfD-Diepholz im Wissen über die geschilderte Haltung sind.
Der Bassumer AfD-Ortsverbandsvorsitzende Matthias Körper, der ebenfalls häufig montags in Bassum dabei war und gelegentlich dort Reden hielt, scheint derweil gerade über die gemeinsam geteilte Leidenschaft für Musik mit seinem guten Bekannten Uwe Mühlenhardt in Verbindung zu stehen: Anlässlich eines offenbar gemeinsamen Besuchs des „Reload“-Festivals 2024 verlinkte Mühlenhardt Körper.* Im Jahr darauf verlinkte er Körper erneut mit einem Video und dem Spruch „Zeit für gute Musik“.* Matthias Körper gratulierte Mühlenhardt derweil digital zum Geburtstag und versah etliche seiner Beiträge mit einem „Like“.* Zu Heiligabend 2025 wünschte Mühlenhardt dann ganz besonders seiner „Festival Family“ frohe Weihnachten und verlinkte dabei erneut Matthias Körper, der folglich Mitglied derselben zu sein scheint.* Noch vor kurzem, am 07.06.2026, postete Mühlenhardt ein gemeinsames Video, über dem er Körper einmal mehr verlinkte.*
Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als unglaubwürdig, dass zum Zeitpunkt der Kandidatur Unklarheit über Mühlenhardts Begeisterung für neonazistische Gesänge bestand. Matthias Körper, als AfD-Ortsverbandsvorsitzender in der Regel verantwortlich für die Kandidaturen seines Ortsverbandes, dürfte somit für seine Partei im Amt nicht länger tragbar sein. Schließlich steht der AfD-Landesverband Niedersachsen ganz aktuell unter massivem Rechtfertigungsdruck, seitdem das Verwaltungsgericht kürzlich bestätigte, dass dieser durch den Niedersächsischen Verfassungsschutz vorläufig zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung hochgestuft werden darf.
Matthias Körper, der augenscheinlich das Facebook-Verhalten Mühlenhardts kennt, unterließ es demnach gegen die Beiträge Mühlenhardts vorzugehen, oder die Auswahl des Kandidaten zu hinterfragen. Aber vermutlich ist dies auch ohne öffentlichen Druck nicht zu erwarten, wenn man bedenkt, dass Körper selbst auf einem Foto, gepostet 2022, mutmaßlich mit einem T-Shirt der bekannten Neonazi-Marke „Thor Steinar“ bekleidet war.*
Niedersächsischer AfD-Landesverband
An den niedersächsischen AfD-Landesverband ist die Frage zu richten, ob die Personalie des Diepholzer Kreisvorsitzenden Andreas Iloff noch weiter tragbar ist. Immerhin gelang es ihm und seinem Kreisverband seit seinem Amtsantritt nicht gerade, die zahlreichen Belege über Bestrebungen seines Landesverbandes, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet seien, zu entkräften – im Gegenteil.
Wir erinnern: Der AfD-Bürgermeisterkandidat Dennis Lier aus Weyhe teilte laut Kreiszeitung auf Instagram ein Video der verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Kreisverband und Landesverband der AfD relativierten öffentlich die Relevanz des Vorfall. Die Inhalte wurden als „unproblematisch“ bezeichnet. Dabei gab es neben dem Clip zu Haverbeck noch mindestens ein weiteres Video mit klar antisemitischem Inhalt auf Liers Account zu sehen und zu hören.
Wir erinnern auch, dass dem Kreisvorsitzenden Andreas Iloff höchstpersönlich eine Vergangenheit in den extrem rechten, dem Verfassungsschutz bekannten Organisationen „Freundeskreis Deutschland“, „Gemeinschaftswerk Auehof“ und „Deutscher Bund“ nachgewiesen werden kann – ein Faktum, das schon lange bekannt ist.
Der AfD-Landesvorstand muss ein erhebliches Eigeninteresse daran haben, die Vorwürfe extrem rechter Umtriebe abzuwiegeln. Einen Bärendienst erweisen ihm dabei auch weiterhin Iloff und sein Verband. Es muss die Frage gestellt werden, wie lange der Vorstand dabei noch tatenlos zusehen will.
Das Bündnis „Wir sind mehr! im Landkreis Diepholz“ fordert von Uwe Mühlenhardt und Matthias Körper den sofortigen Rückzug ihrer Kandidaturen für die Kommunalwahl 2026.
Es handelt sich um einen Skandal ohnegleichen, dass Vertretern derartigen menschenverachtenden Gedankenguts in Aussicht steht, Plätze in Kommunalvertretungen wie dem Bassumer Stadtrat und dem Diepholzer Kreistag einzunehmen.
Das Bündnis appelliert an die Bassumer Stadtgesellschaft, sich diesbezüglich klar zu positionieren und sich mit aller Deutlichkeit gegen die Anhänger geschmacklosester menschenverachtender, antisemitischer wie rassistischer Neonazi-Inhalte zu wenden. Kein Platz für die AfD in Bassum!
Wir sind mehr! – Bündnis im Landkreis Diepholz n.e.V. im Juni 2026
* Screenshots liegen Mitgliedern von „Wir sind mehr! – Bündnis im Landkreis Diepholz n.e.V.“ vor.
Ergänzung: Auf Nachfrage der Kreiszeitung wurde am 24.06.2026 bekannt, dass Uwe Mühlenhardt seine Kandidatur zurückziehen wird.
