Die Sommerhitze neigt dazu, Dinge zu enthüllen, die sonst verborgen bleiben, etwa die Arme von Matthias Körper, Stadtratskandidat für Bassum, Kreistagskandidat für Diepholz und Vorsitzender des AfD-Ortsverbandes Bassum, Twistringen und Syke.
Erkennbar ist dort eine Tätowierung der Schwarzen Sonne, Erfindung der SS und Ersatzsymbol für das Hakenkreuz in der rechtsextremen Szene. Rund dreißig Jahre zuvor war Körper bereits im völkisch-nationalistischen Verein Freundeskreis Deutschland aktiv — als Stellvertreter des heutigen AfD-Kreisvorsitzenden Andreas Iloff.¹
Kandidaturen ohne Konzept
Jüngst sorgte die Auswahl der Kandidaten des AfD-Kreisverbandes Diepholz für die bevorstehende Kommunalwahl bereits für mehrere Eklats. Sowohl die Verbreitung antisemitischer Inhalte durch den aktuellen AfD-Bürgermeisterkandidaten Dennis Lier in Weyhe, als auch die Verbreitung rechtsextremer Musik durch den Rats- und Kreistagskandidaten Uwe Mühlenhardt in Bassum warfen kein gutes Licht auf den Kreisverband und das Händchen Iloffs.
Während Mühlenhardt nach den Veröffentlichungen zurücktrat, plädierte Lier auf Unwissenheit und konnte so an seiner Kandidatur festhalten. Später rechtfertigte Iloff sich gegenüber der Kreiszeitung, dass er als Kreisvorsitzender gar nicht auf dem Schirm habe, „wer wo überall kandidiert“.
Bei Matthias Körper dürfte das anders sein. Dieser ist seit gut einem Jahr Vorsitzender des neugegründeten AfD-Ortsverbandes Bassum, Twistringen und Syke. Also genau jenem, welchem Mühlenhardt bis zu seinem Rücktritt angehörte. Dass Körper und Mühlenhardt eine Leidenschaft für Musik teilten, gemeinsam Festivals besuchten und demnach außerhalb der Parteipolitik in Verbindung standen, hat das Bündnis Wir sind mehr! bereits in seiner letzten Pressemitteilung thematisiert.
Wo die Sonne hinfällt

Dies sei für Matthias Körper die erste Teilnahme an einem Infostand, äußerte er am 20.06.2026 gegenüber dem rechten Streamer Freisicht TV. Die Aufnahme zeigt den Kandidaten mit hochgekrempeltem Hemd vor dem Rathaus der Kreisstadt stehen. Gut sichtbar: die einschlägige Tätowierung auf seinem linken Arm. (Bild links aus rechtlichen Gründen stattdessen Eigenfoto Wir sind mehr!)
Die Schwarze Sonne diente als Vorlage für ein Marmormosaik in Form eines Sonnenrades mit zwölf Speichen, das zu Zeiten des Nationalsozialismus von der SS im Obergruppenführersaal im Nordturm der Wewelsburg eingelassen wurde. Nach 1945 erlangte das Symbol Beliebtheit in der rechtsextremistischen Szene und findet dort häufig Verwendung auf Kleidung oder als Tätowierung.
Auch das Innenministerium Sachsen-Anhalts bezeichnet die Schwarze Sonne als „wichtiges identitätsstiftendes Zeichen für die neonazistische Szene“. Die Bayrische Informationsstelle gegen Extremismus betont zudem, dass sie Elemente enthält, in denen Hakenkreuze oder Sigrunen erkennbar sind. Deshalb wird sie als Ersatzsymbol für verbotene Symbole betrachtet.
In der Vergangenheit sorgte eine ähnliche Tätowierung auf dem rechten Ellenbogen des CDU-Kommunalpolitikers Robert Möritz für eine handfeste Koalitionskrise in Sachsen-Anhalt. Das Rechercheportal Sachsen-Anhalt rechtsaußen machte unter Anderem publik, dass dieser als 19-Jähriger auf einer Neonazi-Demonstration als Ordner agierte. Seine Tätowierung wurde als Anhaltspunkt gesehen, dass Möritz sich nicht von seiner rechtsextremen Vergangenheit distanziert hatte.
Rechte Seilschaften
Wie das Bündnis „Wir sind mehr!“ bereits anlässlich der Wahl Körpers zum Ortsverbandsvorsitzenden thematisierte, besteht zwischen Matthias Körper und Andreas Iloff eine lange, rund 30 Jahre alte Bekanntschaft. Diese fußt auf dem Verein Freundeskreis Deutschland, in dem Matthias Körper das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne hielt.¹ Ein Verein, der mit Fug und Recht als rechtsextremistisch bezeichnet werden darf.
Wo Iloff selbst politisch steht ist seit Jahren bekannt. Recherchen von Andrea Röpke und Andreas Speit für die taz war zuletzt 2017 zu entnehmen, dass Iloff neben dem Freundeskreis Deutschland und dem angebundenen Gemeinschaftswerk Auehof auch dem geheimen rechtsextremen Orden Deutscher Bund angehörte. Sein politischer Mentor Richard Gersie, der ihm zum Kauf seines Auehofs verhalf, hatte dort bis 1994 die Rolle des Großmeisters innegehalten. Der Deutsche Bund hatte sich zum Ziel gesetzt, „deutsches und artverwandtes Volkstum“ zu stärken,² völkische Weltvorstellungen zu verbreiten und
den Widerstand für ein Deutsches Reich wachsen zu lassen und ist entsprechend neben der Völkischen auch der Reichsbürger-Bewegung zuzuordnen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Führungspositionen innerhalb des AfD-Kreisverbandes Diepholz alten Kameraden von Andreas Iloff zufallen. 2016 wurde Harald Wiese zum Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Diepholzer Kreistag erkoren. Kurze Zeit später folgte die Wahl Iloffs zum Kreisvorsitzenden. Zwanzig Jahre zuvor agierte Wiese im Freundeskreis Deutschland um Iloff als Schatzmeister¹ und kümmerte sich um den Online-Auftritt des Gemeinschaftswerks Auehofs.³
Für Wiese folgte eine Landratskandidatur und Rollen als Schriftführer und stellvertretender Kreisvorsitzender. Doch 2020 kam es zum Bruch: Er beklagte, in einer Diskussion um einen Beschluss des Bundesverbandes als „totes Pferd“, ein anderes Parteimitglied als „liberaler politischer Bettnässer“ deklariert worden zu sein. Der Kreisverband agiere als „persönliches Sprachrohr“ für dessen Vorsitzenden, der Führungsstil sei bervormundend.⁴ Als Konsequenz trat er aus dem Vorstand, später auch aus der Partei aus.
Der Fisch stinkt vom Kopf her
Wie kann es sein, dass erneut eine Person, die eine rechtsextremistische Vergangenheit mit dem Kreisvorsitzenden teilt, innerhalb kürzester Zeit Führungspositionen im AfD-Kreisverband Diepholz erringt — und diese Einstellung offenkundig bis heute zur Schau stellt?
Der Verdacht liegt nahe, dass sich in den sechs Jahren seit Wieses Austritt rein gar nichts an der von ihm vorgeworfenen (Dys-)Funktionalität des Kreisverbandes geändert hat. Mit der Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ des Landesverbandes im Nacken musste Mühlenhardt zwar weichen — doch der Fisch stinkt vom Kopf her. Insofern stellt sich die Frage, ob der Kreisverband in dieser Form für die Landesebene überhaupt noch tragbar ist, denn in der Gesamtschau entstehen erhebliche Zweifel an der Eignung seiner Funktionäre für öffentliche politische Ämter.
Das Bündnis Wir sind mehr! fordert die Zivilgesellschaft und alle demokratischen Parteien im Landkreis Diepholz auf, die Vorgänge rund um den AfD-Kreisverband Diepholz als eine Warnung für die bevorstehende Wahlperiode zu verstehen und entsprechend zu handeln, um einen antidemokratischen Missbrauch der Kommunalverwaltung zu verhindern.
Wir sind mehr! – Bündnis im Landkreis Diepholz n.e.V. im Juli 2026
¹ VR 190228 Oldenburg, abrufbar auf handelsregister.de
² Franziska Hundseder: Wotans Jünger: Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus, Originalausgabe, München, Heyne Sachbuch, 1998, S. 156f.
³ Einträge im Gästebuch von auehof.de vom 22.05.2000, 29.06.2000 und 08.07.2000, privat archiviert
⁴ Schriftstück von Harald Wiese vom 17.09.2020, veröffentlicht auf dessen Facebook-Profil
