Am 13. April stellte der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Diepholz, Andreas Iloff, auf der wöchentlichen AfD-Demonstration in Bassum den Unternehmer Dennis Lier als Bürgermeister- Kandidaten der AfD für Weyhe vor. Das Bündnis „Wir sind mehr! Landkreis Diepholz“, dem zahlreiche Einzelgruppen zugehörig sind, zeigt sich angesichts dieser Kandidatur bestürzt.
Breites Bündnis verurteilt Bürgermeister-Kandidatur der AfD
Das Bündnis erklärt hierzu: Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Sie propagiert rassistische und unsoziale Positionen. Entgegen ihres Selbstbildes legt sie sich nicht mit den ‚Starken und Mächtigen‘ an, sondern beabsichtigt, gezielt die Rechte von Schutzsuchenden, von nicht heterosexuell Lebenden und Arbeitnehmer:innen zu beschneiden. In den Parlamenten votiert die AfD allzu oft im Sinne einer Umverteilung von unten nach oben, aktuell etwa für die Abschaffung der Vermögenssteuer, anstatt im Sinne der wirtschaftlichen Interessen eines großen Teils ihrer Wählerschaft. Auch steht sie nur zum Schein für freie Rede ein, vielmehr geht es ihr um Hetze gegen Andersgesinnte, gegen Feminismus, Antifaschismus und alles im weitesten Sinne Linke. Zahlreiche Vertreter:innen der AfD betreiben NS-Verharmlosung oder setzen gar positive Bezüge zum Nationalsozialismus.
„Viele Positionen der AfD sind mit einem christlichen Verständnis unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht vereinbar. Denn wo Nationalismus und Rassismus gedeihen, gehen Menschlichkeit und Empathie als die Grundpfeiler unserer Demokratie verloren. Deshalb werden alle Hoffnungen, die Menschen vielleicht mit der Wahl der AfD verbinden, mit Sicherheit zu Enttäuschungen, womöglich zu einem bitteren Erwachen führen!“
sagte dazu Gerald Meier, Pastor in Weyhe und Mitglied des Sprecher*innenrates vom Runden Tisch gegen Rechts Weyhe.
In Weyhe beteiligte sich die AfD 2018 an der rechten Instrumentalisierung des Todesfalls Daniel S., die zuvor bereits zu mehreren Neonazi-Aufmärschen in der Gemeinde geführt hatte. Die Kreiszeitung berichtete damals von den zuwanderungs-feindlichen Generalisierungen auf der Weyher AfD Kundgebung (siehe dazu die damaligen Berichte der Kreiszeitung, u.a.: Kirchweyhe: 5. Jahrestag: Gedenken an Daniel S. verläuft friedlich).
An einem Autokorso der AfD durch Weyhe soll sich 2024 ein Streamer beteiligt haben, der zuvor öffentlich auf TikTok mit Begleitern darüber fachsimpelte, welches Schusswaffenkaliber das geeignetste zur „Jagd“ auf „Antifanten“ (gemeint war antifaschistischer Gegenprotest) wäre. Das Bündnis berichtete damals in mehreren Artikel auf seiner Homepage ausführlicher darüber (siehe z.B.: Autokorso mit Gewaltfantasien oder Uniformmangel beim Antifanten-Jagdverein)
Eklat um Verbreitung eines antisemitischen Videos
Der Weyher AfD-Bürgermeisterkandidat Lier derweil verbreitet bei Instagram öffentlich ein Video als Repost, in dem ein offenbar antisemitischer Verschwörungsgläubiger wirr von (Zitat!) „DeutschJUDEN, die mit richtig Patte, mit den Connections, mit den Verbindungen in die Obrigkeit“ fantasiert (vom Account Dennis Lier / dennisbremen gerepostetes Video des Accounts „harechistie“ vom 25.02.2026 mit der Thumbnail-Beschriftung „Rette sich wer kann!“, Stand 04.05.2026 teilt Lier das Video weiterhin als Repost auf seinem öffentlichen Account).
„Das Video ist eindeutig in übelster Form antisemitisch und volksverhetzend. Es ist unglaublich, dass ein Bürgermeisterkandidat so etwas [re]postet.“
antwortete der Niedersächsische Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens Prof. Dr. Gerhard Wegner auf eine Bitte um Einordnung.
Im Hinblick auf die durch und durch verstörende öffentliche Verbreitung eines Videos mit zutiefst antisemitischen Inhalten durch den Bürgermeister-Kandidaten Lier fordert das Bündnis „Wir sind mehr! Landkreis Diepholz“ sowohl eine Erklärung als auch eine öffentliche Entschuldigung sowie die umgehende Entfernung des Reposts. Sollte letztere nicht erfolgen, legt das Bündnis angesichts der fraglichen demokratischen Integrität des Kandidaten einen baldigen Rückzug der Kandidatur nahe.
Aktuelle Studien wie das neue Lagebild des Zentralrats der Juden, erschienen am 1. Mai 2026, zeigen einen ‚explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus‘. Die Ausdehnung antisemitischer Narrative im Netz ist alles andere als harmlos, sie ist in diesen Zeiten brandgefährlich. Umso erschreckender, wenn die Mit-Verbreitung von jemandem herrührt, der das Ziel verfolgt, in naher Zukunft aktiv in der Kommunalpolitik zu wirken. Wer als aufrichtiger Demokrat antritt, dem unterlaufen derartige Entgleisungen für gewöhnlich nicht.
Rede von Holocaustleugnerin geteilt
Doch damit scheinbar nicht genug: Der Weyher AfD-Bürgermeisterkandidat Lier verbreitet bei Instagram zudem öffentlich ein Video als Repost, in dem Ausschnitte einer Rede der prominenten, mehrfach verurteilten Holocaustleugnerin und nationalsozialistischen Aktivistin Ursula Haverbeck zu sehen und hören sind (vom Account Dennis Lier / dennisbremen gerepostetes Video des Accounts „danielwoerner.de“ vom 23.04.2026 mit der Thumbnail-Beschriftung „Darum sind die Deutschen zu mächtig“, Stand 04.05.2026 teilt Lier das Video weiterhin als Repost auf seinem öffentlichen Account).
Selbst falls Lier die Inhalte aus purer Unwissenheit teilt (angesichts weiterer kaum weniger brisanter, als Repost geteilter Inhalte eher unwahrscheinlich), so ist doch unzweifelhaft festzuhalten: Das öffentliche Verbreiten derartiger Videos spricht Bände über das demokratische Verantwortungsbewusstsein eines ambitionierten Kandidaten.
Das Bündnis „Wir sind mehr! Landkreis Diepholz“ fordert ausdrücklich: Kein Platz in Weyhe für die menschenverachtenden Positionen der AfD!
